Name: Kolumbarium
Beschreibung:
Nach einer Idee von Stadtpfarrpropst Dr. Heinrich Schnuderl und dem Entwurf von HOFRICHTER-RITTER Architekten ZT GmbH wird in den bestehenden Gruftarkaden am Zentralfriedhof Graz ein Columbarium integriert. Unter Bedachtnahme auf die historische Bausubstanz von Architekt Carl Lauzil wurde ein Entwurf vorgeschlagen, der das ALTE und das NEUE gleichermaßen zur Wirkung kommen lässt. Die notwendige sensible Vorgangsweise mit dem denkmalgeschützen Bauwerk wurde mit der Zechner Denkmal-Consult GmbH beschritten und mit dem Bundesdenkmalamt Steiermark abgestimmt.

Fotografiert von Paul Ott und Gernot Ritter




Pressebericht:

PRESSEBERICHT  Der Grazer Zentralfriedhof: Zeitbombe und Zukunftschance Die Baulichkeiten auf dem Grazer Zentralfriedhof sind in einem katastrophalen Bauzustand und bedürfen dringend einer groß angelegten Renovierung. In einer Vor-Ort-Begehung informierte Bauherr Bischofsvikar Stadtpfarrpropst Dr. Heinrich Schnuderl über die nun begonnenen Generalsanierungsmaßnahmen.

"In der Medizin würde man sagen: ein polytraumatisierter Patient"  beschreibt Denkmalexperte DI Markus Zechner den Zustand der Baulichkeiten auf dem größten Friedhof der Stadt Graz: der Monumentalbau, zwischen 1886 und 1898 nach Plänen des Wiener Architekten Carl Lauzil erbaut, "bezaubert zwar unser Augen", so Zechner, stellt aber mit seinen Ziegel- und Sandsteinen eine "Zeitbombe" dar. Denn das Know-how im Umgang mit diesem um die Jahrhundertwende so beliebtem Material (man vergleiche nur die Grazer Herz-Jesu-Kirche) war im Norden, z.B. im englischen Raum, zwar vorhanden, fehlte aber in unseren Breiten großteils. Hinzu kommen die bei uns raueren Klima- und Witterungsbedingungen. So sind mittlerweile sicherheitsgefährdende Schäden auszumachen: Sandsteinformen etwa, die "wie reife Äpfel von den Gesimsen gepflückt werden können"; Bodenfeuchte  und Wassereintritt vor allem im Kuppelbereich verschlimmerten die ohnedies durch Materialermüdungen betroffenen Bereiche. "Die Steinlöwen mussten wir vorläufig sogar mit Gurten niederzurren", erklärt Zechner die Dramatik der Situation, "damit sie bei Sturm nicht hinunter auf die Straße fallen."  


Die Baulichkeiten am Zentralfriedhof befinden sich jedoch "nicht deshalb in so desolatem Zustand, weil unsere Vorgänger nachlässig gewesen sind", betont Bischofsvikar Stadtpfarrpropst Dr. Heinrich Schnuderl, "es wurde immer wieder renoviert", die von den Fachleuten damals angewandten Restaurierungsmaßnahmen waren wie zum Beispiel bei den Steinlöwen jedoch die falschen. Wenn nun der Auftakt zu einer fachkundigen Generalsanierung erfolge, für die es auch der Hilfe der öffentlichen Hand bedarf, möchte die katholische Kirche konkrete Zeichen setzen: zum einen im Hinblick auf die zunehmende Nachfrage nach Urnenbestattungen und zum anderen im Sinne eines zukunftsweisenden Bauakzents.

Gewonnen werden konnte dafür das junge Architekturbüro Hofrichter-Ritter, das mittlerweile auch für den Bau des WM-Stadions in Schladming und die Talstation Planai verantwortlich zeichnet. Für die geplante neue Urnenwand ("Columbarium"), die in die alten Gruftarkaden eingesetzt werden soll, schwebt Architekt DI Gernot Ritter im wahrsten Sinne des Wortes eine Art "Engelsflügel" vor, als eine Art Zwischenraum zwischen Himmel und Erde: "Indem wir in einen bestehenden Bestand bauen", erklärt Ritter seinen persönlichen und emotionalen Zugang, "führen wir einen historischen Dialog mit dem damaligen Architekten, das heißt mit jemandem, der bereits verstorben ist."Wobei sich das Alte und das Neue nicht anbiedern, sondern gegenseitig aufwerten sollen", so Ritter. Seine Urnenwand wird sich bewusst von den ansonsten üblichen, plattenbauförmigen Regalsystemen unterscheiden: durch bunte Glasabdeckungen, die geradezu aus der Reihe tanzen, und durch Böden, in die Heimaterde oder Sand vom Lieblingsort des Verstorbenen gebettet werden kann. Alles im Sinne einer tieferen Wahrnehmung des Verstorbenen und seines jeweils individuellen Lebenskontextes.  

Der Leiter des Denkmalamtes Steiermark, Dr. Christian Brugger, begrüßt dieses Vorhaben, weil dadurch das "Kunstwerk, das der Zentralfriedhof ja auch ist, bewahrt wird und lebt".  Ab kommenden April sollen die modernen Urnennischen (Kosten ? 782.000,00) fertig gestellt sein, die Gesamtsanierungsmaßnahmen werden für insgesamt fünf Jahre anberaumt. "Als weitere Sanierungsprojekte (Kosten ? 2.064.000,00) stehen die Kirche und die Aufbahrungshallen, der alte Pfarrhof, die Verwaltung und zuletzt der Torbereich an", schildert Johann Frühstück, Friedhofombudsmann und stv. Vorsitzender des Wirtschaftsrates der Grazer Stadtpfarrkirche und bittet auch die Bevölkerung um Unterstützung bei der Rettung dieses Grazer Baujuwels aus der Gründerzeit. 


Gertraud Schaller-Pressler   


Zur Entstehung des Grazer Zentralfriedhofs Der starke Bevölkerungsanstieg der Stadt Graz im Verlauf des 19. Jahrhunderts führte zur Planung eines Zentralfriedhofs nach zu dieser Zeit modernstem Standard. 1881 fand die Stadt Graz für die Errichtung ein geeignetes Grundstück im Südwesten der Stadt. 1885 wurde der aus Wien stammende Architekt Carl Lauzil, Direktor der k.k. Staatsgewerbeschule in Graz, mit den Planungen betraut. Lauzil wählte im Sinn der zu dieser Zeit vorherrschenden Stilpluralität des Historismus die italienische Gotik als Vorbild für die Gebäude des Zentralfriedhofs, die, ohne dürftig zu erscheinen, eine gewisse Einfachheit zuließ und dennoch zum ernsten Charakter des Friedhofs beitrug. Lauzils Idee war die eines "Campo Santo", eine Stätte des Gedenkens.  1886 wurde mit den Bauarbeiten am Friedhof begonnen. Es fanden Verwaltungsgebäude, Wohnhaus, Gärtnerei, Aufbahrungshalle, eine Halle für infektiöse Leichen, Arkadengrüfte, sowie eine zentrale Einsegnungshalle Platz, die 1898 als Kirche "Zum gekreuzigten Heiland" konsekriert wurde.  Massive Proteste seitens der Bevölkerung, die sich gegen die geplante Schließung der übrigen Grazer Friedhöfe stellten, führten 1894 zum Verkauf an die römisch katholische Haupt- und Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut, die sich verpflichten musste, den interkonfessionellen Charakter des Zentralfriedhofs beizubehalten.


Datum: 23.06.2008
Kunde:
Zusatzinfo:



link: http://www.stadtpfarrkirche-graz.at
























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