name: explore +
Beschreibung: Der unten angeführte Basistext der Diplomarbeit "Explore, Teletopologische Transformationen und Interspaces©" (1996) von Gernot Ritter und Markus Michael Zechner war Ausgangspunkt für folgende Projekte:


vice versa


Netzkunstinstallation
Raumerweiterung mittels virtuellen Durchgangs
Graz, 7. Oktober 2000, 09.00 bis 20.00 Uhr

Wolfgang Reinisch, Gernot Ritter, SPLITTERWERK
mur.at - Verein zur Förderung von Netzwerkkunst


die angeführten Bilder stammen aus dieser Insallation (Fotos: Wolfgang Reinisch)


hommage


Prozessorientierte Fragestellungen zum Wohnbau
Mark Blaschitz, Doris Dockner Home 96 Mark Blaschitz, Doris Dockner Home 97 Gernot Ritter, Markus Michael Zechner, Explore, Teletopologische Transformationen und Interspaces SPLITTERWERK , Über Architektur Sprechen TSCHOM@SPLITTERWERK.E.A.K.H.E.M.M.R.I.C.H.DOCKNER, Wer baut das Kunsthaus? Mark Blaschitz, Doris Dockner, Shortcuts for Sarajevo

 

"Teletopologische Transformationen und Interspaces©" 


Die Erforschung neuer Lebens- und Aktionsräume 


Wir haben heutzutage Instrumente der Syncronologie, mit denen alle Räume gleichzeitig präsent sind, Räume die nach Kant eine transzendentale Identität haben, das heißt, Räume sind ein Nichts, sobald wir die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrungen weglassen und Räume sind mithin die reine apriorische Anschauungsform unseres äußeren Sinnes. Architektur und Städtebau werden zu Disziplinen, die mit diesen Rahmenbedingungen zu arbeiten haben, Bedingungen, die also nicht nur einer Veränderung von Räumen, sondern einer Veränderung der Verfügbarkeit von Räumen bedürfen.Der Übergang von der Handhabung zur Steuerung vom Verfügbarkeit von Räumen bedeutet die Auflösung der unmittelbaren Entfernung zu den Dingen.Geht man davon aus, daß Raum als Realraum eine begrenzte Ressource ist, daß der postindustrielle Mobilisierungsprozess seine Grenzen bereits überschritten und das Bedürfnis des Menschen an Mobilität - das heißt auch imaginierte Abwechslung und Neugierde - eher steigen als sinken wird, stehen wir vor der Notwendigkeit neue Erlebnisfelder der Lebensraumerfahrung zu erschließen.Diese sind in der neuen digitalen Welt im Begriff zu entstehen, sie taucht aus einer technologisch theoretischen Machbarkeit in eine immer realer scheinende Wirklichkeit. Bildschirme lösen nicht mehr nur Fenster, sondern auch den klassischen Türbegriff ab. Wirklichkeit wird durch Beobachtbarkeit ersetzt.  


Der Interspace© 


Der herkömmliche Gebrauch des Realraumes wird überlagert vom Gebrauch eines elektronisch generierten, multisensorischen Eindrucks von Raum. Es entstehen Schnittstellen als Zwischenräume, die nicht nur eine Stelle oder eine Fläche, sondern als Ganzes den physikalischen und intellektuellen Interaktionsraum zwischen Mensch und elektronischer Technik bezeichnen.Durch Überlagerung von realer und virtueller Welt werden Raum und Gegenstand als synthetisch projizierte Gebilde zu einer neuen Wirklichkeitssphäre, zum Interspace© eine 3-dimensionale Peripherie, ein Aus- und Eingabeort.   Diese neuen Wirklichkeitssphären umgeben uns im Grunde bereits seit der Erfindung des Telefons und des Radios.Durch die Telematisierung des Alltags und die Veränderungen in der baulichen Umwelt verflüchtigt sich der Unterschied von Außenraum und Innenraum.Wenn, wie Le Courbusier schrieb Architektur das großartige Schauspiel von Raum und Licht ist müßten nicht die zur Verfügung stehenden neuen Wirklichkeiten in diesem Schauspiel als Darsteller Platz finden? Wirklichkeiten, die sich bereits täglich ereignen, im Fernsehen, am Telefon und am PC. Erkenntnistheoretisch haben diese Wirklichkeiten schon lange den Einzug in die Philosophie gefunden, architektonisch wurden sie bis auf wenige Ausnahmen jedoch ignoriert. 


Teletopologische Transformationen 


Die emportauchende Inforamationsgesellschaft formiert sich indessen aus Bild-Versorgten und Daten-Informanten. Erst wenn  die Bedeutung der Einbringung von Daten-Eigenmitteln als soziokulturelle Chance erkannt und selbstverständlich genutzt wird, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer grundlegenden Änderung im Umgang mit Medienräumen. Besondere Aufmerksamkeit gilt es den von Medienmaschinen transportierten und vom Indidivduum generierten Inhalten zu widmen, welche die Bedeutungen des Interspaces entscheident zu beinflussen vermögen. Aktive Informationsvermittlung beinhaltet polydirektionale Datengeneration. Die Verfügbarmachung von Räumen könnte auf der Transformation in mediale Daseinsfelder basieren die eine evolutionäre Behandlung der Phänomenologie der Orte ermöglichen. Mit Hilfe digitaler Informationstechnologie gelingt es Common-Spaces zu generieren, sie interaktivierbar zu halten, ihnen Zugang zu isolierten Immaginationsräumen zu bieten und zu erfahren wie neue  Aktionsebenen bereitgestellt werden können, die individuell veränderbar und kollektiv erfahrbar werden.Das Ereignisfeld des Individuums wird in Ebenen transformiert, die durch die zugewandte Aufmerksamkeit von Anderen den Raum zum Gemeinplatz wandeln, ihn weiterentwickeln, und nähren, ihn durch intervenierende Prozesse aufwühlen, zu neuen Konstellationen u. Ordnungen zusammenfügen, ihn somit zu einem telematischen Ort machen. 


Eine neue Architekturrealität 


In Abhängigkeit von diesen Orten schlummert im physikalischen Realraum eine neue stoffliche Architekturrealiät mit konfligierenden Funktionen. Hybride Aktions- und Lebensräume warten in Entsprechung zu einer mobilen Denk- und Reflexionsgesellschaft in Form von Netzplänen entworfen zu werden.In Wechselwirkung werden digitale Netzentwürfe und stofflicher Realraum einen neuen architektonischen Lebens- und Aktionsraum in Kombination mit neu zu Verfügung stehenden Entwurfsparametern wie Echtzeit, Geschwindigkeit und Szenarien bestimmen. Der Interspace© als räumlich direkte Übergangszone wird zur Bühne dieses neuen interaktiven Schauspiels und definiert eine neue Wirklichkeitssphäre.Gesellschaftlich geschiedene Funktionen wie Wohnung, Produktionsstätten, Forschung und Verwaltung, Dienstleistungseinrichtungen, Büros, Konsum, Öffentlichkeit, Kultur etc. können sich wieder in ein transformationelles Gebilde hoher Komplexität verschränken. Gleichzeitig wird die räumliche Dezentralisierung derzeit funktionell voneinander abhängiger Einrichtungen möglich. 


Explore 


Parallel zu den bereits existierenden Schnittstellen der digitalen und der analogen Welt wie Fax, Telefon, Fernsehen, und Computerbildschirm ist eine neue Akzeptanz einer digital übertragenen Bild- und Funktionsrealität und deren Wirkung auf den architektonischen Realraum im Entstehen. Durch Echtzeitübertragungen, die ein stehendes Jetzt ermöglichen, entstehen neben neuen menschlichen Kommunikationformen. Parallellschaltungen von Räumen. Das direkte Gespräch, das eine biologische Anwesenheit des Gegenübers fordert, ist nur mehr eine Kommunikationsmöglichkeit von vielen. Die digitale Welt ist im Begriff zum neuen Kommunikations-, Erlebnis- und Aktionsmedium des Menschen zu werden. Daß diese neue Form der Interaktion die örtliche Relation des Realraumes auflöst bedeutet eine Revolution für die Architektur, einer Architektur der örtlichen Entkoppelung, deren Entstehungsparameter neu definiert werden müssen. Welche Architekturentwürfe werden möglich?Welche neuen Funktionszusammenhänge lassen neue Architekturrealitäten entstehen?Diese Diplomarbeit versucht in skizzenhafter Form einen Teil dieser Fragen zu beantworten.Sie ist der Versuch durch neue Funktions- und Bildrealitäten und daraus entstehenden neuen Aktionszusammenhängen dieses neue Feld der Symbiose von digitaler und analoger Welt, die die Zukunft des Menschen bereits begonnen hat zu beeinflussen, für die Architektur als neuen revolutionären Entwurfspareameter zu erschließen.


Addition 


Während sich die Bemühungen der Cyberspacedesigner darauf konzentrieren den Interspace© derzeit mit Hilfe von Datenhelm, Datenanzügen und in der Zukunft wahrscheinlich mit direkten Gehirnadaptern auf 0 zu reduzieren werden die derzeitigen Fensterplätze an den diversen Schnittstellen architektonisch kaum beachtet.Interspace als Potential unendlich vieler Türen. Er ermöglicht, solange der Mensch als biologisches Wesen noch existiert, den in digitalen Bildern vorbeiziehenden data-space wahrzunehmen. Der Interspace© ist somit nur eine temporäre Wirklichkeit und eine Sphäre des Überganges. 



Gernot Ritter, Markus Michael Zechner im Juni 1996

Datum: 01.01.2000
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